„Die ganze Welt ist Bühne und alle Frauen und Männer bloße Spieler, sie treten auf und gehen wieder ab.“ Das lässt William Shakespeare, der große Barde aus Stratford-upon-Avon, im Stück „Wie es euch gefällt“ seinen Lord Jacques feststellen. 

Und Buch-upon-Erlbach stellt da keine Ausnahme dar: Auch hier treten die Leute auf und gehen wieder ab. Die regionale Spezialität, die vor mehr als einem Jahrhundert das Theater präsentiert, sind Einakter: kurz und prägnant, manchmal lehrreich und philosophisch, manchmal humorvoll – aber immer unterhaltsam!

Der Grundstein für die Theatertradition in Buch am Erlbach wird im Frühjahr 1906 gelegt – mit einem hochoffiziellen Schreiben des Bezirksamts Landshut:

Der Präses des hiesigen katholischen Burschenvereins ‚Frohsinn‘, Herr Pfarrer Georg Rottmayer hat Gesuch gestellt, bei Gelegenheit obigen Vereins Fahnenweihe einen öffentlichen Aufzug veranstalten zu dürfen am Sonntag, den 13.05.1906. Vorbehaltlich Bezirksamtlicher Genehmigung wird die Erlaubnis hiermit erteilt.

Nun bringt der Burschenverein „Frohsinn“ selbigen auf die Bretter, die die Welt bedeuten, und veranstaltet besagten ‚Aufzug‘ wenige Monate später. Bereits im Juli desselben Jahres werden drei Stücke einem – vermutlich – wohlwollenden Publikum dargeboten: ‚Wilhelm Tell‘, ‚Gauwitzenbauer‘ und ‚Pantomime‘.

Und ganz in der Tradition der Zeiten Shakespeares werden dabei sämtliche Rollen mit dem frohsinnigen Burschen besetzt! Die Bucherinnen sind gerne vor, aber nicht auf der Bühne erwünscht, wenn zu Fasching und anderen besonderen Gelegenheiten die Einakter aufgeführt werden.

1930 übernimmt der Kirchenchor – resp. die ‚Liedertafel“ – unter der Leitung von Dr. Hager die Bucher Theaterwelt. Und 1947 wird ein separater Verein ins Leben gerufen, der sich ausschliesslich dem Theater verschreibt: der Geselligkeits-, Gesangs-, und Theaterverein ‚Die lustigen Erlbachtaler‘ mit seinem Vorstand Franz Ott. Die Aufführungen finden im Gasthaus Steiner im Saal im 1. Stock statt. 

Die lustigen Erlbachtaler führen Stücke auf wie ‚Das sündige Dorf‘, eine der beliebtesten bayerischen Komödien überhaupt, oder auch ‚Der weibscheue Hof‘, wo das Herz eines Mannes, der schlechte Erfahrungen gemacht hat, doch wieder geöffnet werden kann. In ‚Almenrausch und Edelweiss‘, das um die Jahrhundertwende am Fuße des Watzmanns spielt, buhlen Jäger wie auch Wilderer um die Liebe derselben Frau, in ‚Der verkaufte Großvater‘ wird einem Erbschleichter eine Lektion erteilt. ‚Jennerwein der Wildschütz‘, ‚Heimgekehrt‘, ‚Heiratsfieber‘ und der Brandner Kaspar – die Bucher Theaterszene ist sehr rührig.

1951 schließlich gehen Theaterverein und Liedertafel zusammen. Die Theatergruppe ‚Buacha Brettltraza‘ wird fast ein halbes Jahrhundert später ins Leben gerufen, und zwar im September 1998. Inzwischen sind übrigens auch Schauspielerinnen mit von der Party.

Fotografin Fritzi Rauch hat das Bucher Theaterleben viele Jahre lang begleitet, wodurch uns eine Fülle an schönen Fotos erhalten geblieben sind – davon, wie es so ist, zu Beginn des 20. Jahrhunderts auf dem Lande jung zu sein, wie junge Burschen in Frauenkostümen wirken und wie man sich das Bühnenbild vorzustellen hat.

Was zwar anklingt, aber doch auch der eigenen Fantasie überlassen bleibt, ist, wie schön und gesellig diese Theaterabende sind und wie lebhaft ein Publikum ist, wo alle einander kennen und mit den Akteuren auf der Bühne verwandt, befreundet oder verbandelt sind.