Musikanten hatten ihr Auskommen mit Hochzeiten, Tanzvergnügen, Kirchen- und Bierzeltmusik. Dazu spielten sie in Gruppen mit unterschiedlichen Besetzungen. Das Repertoire passte sich dem Musikgeschmack der Zeit an. So finden sich in der Notensammlung von Andreas Zehntner zu Beginn des 20. Jahrhunderts viele Märsche, Walzer und Ländler und 30 Jahre später Tango, Swingfox, langsamer Walzer und Polka. Eine hohe Bereitschaft zur Flexibilität bescheinigte auch Kastulus Lochinger dem Musikanten in der Zeit nach 1950. Sie spielten in mehreren Gruppierungen, lernten bei Bedarf ein Instrument dazu und adaptierten amerikanische Musik, wie Jazz und Rock’n Roll. Schallplatte, Radio, Fernsehen, Cover- und Tanzbands halfen bei der Verbreitung. Lochinger beschrieb die Praxis, ein Stück im Radio zu hören, nachzuspielen und ins Repertoire der Band aufzunehmen.

Musikanten zu Buch am Erlbach

Andreas Zehntner (1881-1969) 

Der Maurer Andreas Zehntner war hauptsächlich Musikant. 1907 hatte er dafür ein Gewerbe angemeldet. Er spielte Klavier, Violine und viele Blasmusikinstrumente, wie Flügelhorn, Bariton, Klarinette und Saxophon. Sein Vater Mathäus Zehntner (1831-1920) war ebenfalls Musiker. Von ihm übernahm Andreas die Leitung der Musikkapelle und das Amt des Signaltrompeters bei der Freiwilligen Feuerwehr in Buch. Nach dem Zweiten Weltkrieg gründete er die Musikkapelle „Jung Buch“.

Kastulus Lochinger (*1930)

Kastulus Lochinger ist der Bruder vom Wagner Anton Lochinger. Auch er wählte für seinen Beruf den Umgang mit Holz und wurde 1958 Schreinermeister. Sein Handwerk musste pausieren, wenn er als Musikant engagiert war. Zunächst spielte er in den Pausen des Theaterspiels Gitarre zu zwei Ziehharmonikas und einem Schlagzeug. Später erlernte er Klarinette, Saxophon und schließlich Trompete. Kastulus Lochinger war in verschiedenen Gruppen aktiv. Für die Gruppe „Jung Buch“ war er Musikmeister. In einer Landshuter Kapelle spielte er beim Aumeister am Chinesischen Turm in München und beim „Donisl“ in Feldmoching.

Blaskapelle mit Andreas Zehntner, 1930

Um 1900 war die neunstimmige Blechmusik die meistverbreitete Besetzung in Ober- und Niederbayern. Die Bucher Kapelle präsentiert sich hier zwischen den beiden Weltkriegen zu sechst. Links steht Andreas Zehntner mit Bariton.

Kastulus und Konrad Lochinger mit Freunden, um 1950

Lochingers waren Teil einer Gründungswelle von Tanzbands in ganz Bayern. Sie kamen aus der traditionellen Volksmusik und prägten die lokale Musikszene der 1950er und 1960er Jahre in den Tanzsälen. Das Saxophon kam ins Spiel.

Blasmusikgruppe Jung Buch, 1958

Andreas Zehntner hatte nach dem Zweiten Weltkrieg die Kapelle „Jung Buch“ gegründet. Hier spielt er am Tisch sitzend das Bariton. Stehend von links: Franz Baumgartner, Franz Berger, Josef Bichlmeier, Kastulus Lochinger und Jakob Kammerhuber

Hochzeit von Lisi Schneider und Hans Huber, 1957

Foto: Fritzi Stauf, Buch am Erlbach, 1957
Die Gruppe „Jung Buch“ spielte vorwiegend zu Hochzeiten, Festen und Tänzen auf. 

Melodik-Quintett, um 1965

Die Brüder Kastulus und Konrad Lochinger traten mit dem „Melodik-Quintett“ im Weißbierzelt in Erding mit „Oberkrainer-Musik“ auf. Die Besetzung bestand aus Klarinette, Trompete oder Horn, Ziehharmonika und E-Bass. Viele Neuerungen, etwa die Erfindung und Verbreitung der elektrischen Gitarre, das Aufkommen von Verstärkern oder der Wechsel vom Kontrabass zum E-Bass waren auch wegweisend für die Entfaltung von Rock- und Popmusik.