Ein Bild, so heißt es, sagt mehr als tausend Worte. Es zieht einen Moment aus demFluß des Geschehens heraus und hält ihn fest, zeigt einen Ausschnitt aus der Geschichte, gefriert das Leben in der Gegenwart ein und macht es so zur Vergangenheit, die bewahrt und gezeigt werden kann.

Doch was genau sagt es? Wir können nur das sehen und erkennen, was wir kennen;ein unkommentiertes Bild mag zu fantasievollen Überlegungen anregen, kann aber ohne entsprechendes Wissen nicht immer die richtige Information geben. Als Momentaufnahme und Ausschnitt kann es komplexe Dinge sogar verfälschen. Es kann uns sehen machen, was gar nicht ist; kann unseren Blick lenken, aber auch täuschen. Ohne die Begleitung von Worten und Wissen ist ein Bild für alle möglichen Interpretation offen – auch für solche, die nicht korrekt sind.

Deshalb ist es uns im Neuen Geschichtsboden ein Anliegen, Bilder zu zeigen, sie aber auch in den Kontext ihrer Zeit zu betten. Bei unserem Fundus handelt es sich zum einen um Bilder, die Hans Schneider von Familien der Gegend erhalten hat. Sie zeigen Privates, das nicht nur über die Familie, sondern auch etwas über die Zeit erzählt: Von der Geburt über die Taufe, Firmung und Kommunion bis hin zum Sterben …Feste und Jubiläen, Vereinsleben und Jahreszyklus der Kirche, Bilder von Kriegs- wie auch Friedenszeiten.

Zum anderen haben wir die wunderbaren Aufnahmen aus dem Nachlass der Fotografin Fritzi Rauch, die nicht nur Privatpersonen portraitierte, sondern auch offizielle Ereignisse dokumentierte. Es gibt Fotos von Ausstellungen und archäologischen Funden, vom Bau von Gebäuden und Straßen. Diese Bilder dokumentieren die Veränderung, die der Ort durch die Zeiten erfahren hat. Überzeugen Sie sich selbst: Lassen Sie die Bilder unserer Ausstellung unvoreingenommen auf sich wirken und machen Sie sich Ihre eigenen Gedanken dazu. Und dann vergleichen Sie es mit den vorliegenden Informationen. Ein Bild sagt mehr als tausend Worte? Sagen wir lieber: Ein Bild kann dokumentieren und vertiefen, was wir aus anderen Quellen erfahren. Dafür kann uns ein Bild aber auch unmittelbarer und tiefer berühren, als es manchmal Worte vermögen.